Der Sternenhimmel über Isilien funkelte und wurde nur von wenigen Wolken bedeckt. Calis schnippte mit den Fingern und der kleine Haufen Holz entzündete sich. Er rückte näher an die knisternden Flammen des Lagerfeuers, zog sich die wärmende Decke näher um seinen Körper und breitete trockenes Brot und welkes Gemüse vor seinen Füßen aus. Eine weitere Geste und Pulver rieselte auf die karge Mahlzeit nieder.
Calis schaute in den Sternenhimmel und atmete in einem schweren Seufzer in die Nacht aus. Jahre lang war es gut gegangen, Jahre lang hatte er allen erzählt, wie viele Fortschritte er bei seiner Ausbildung zum Magier gemacht hatte. Wie sehr ihn seine Lehrmeister lobten. Was für Hoffnungen sie alle in ihn setzen. Ja, er hatte eine gewisse Begabung zur Magie, doch als er damals die Aufnahmeprüfung absolvierte, attestierten ihm die Magier, dass er zwar das Potenzial, doch anscheinend nicht den Fleiß und das Durchhaltevermögen an den Tag lege, welche für ein Studium der hohen Magie vonnöten ist. Hollen or. Die alten, hochnäsigen Besserwisser, als ob sie wüssten, wer er war und wozu er imstande war.
Calis stocherte mit einem langen Stock in der Glut des Feuers und obwohl der magische „Würze“ hatte die Mahlzeit einen fahlen Geschmack. Er dachte an die Jahre als Magister Liams Assistent und Botenjunge. Eine Tätigkeit, welche er nach der Absage zum Studium der Magie aufgenommen hatte. Er dachte an seine Eltern, für die er all die Jahre den strebsamen Lehrling gespielt hatte. An seine Freunde, die er mit den paar magischen Tricks beeindruckte. Diese hatte er sich beim Beobachten und Studieren der Techniken der wirklichen Lehrlinge angeeignet. Diese Tage waren vorbei und Calis dachte wehmütig daran, dass er seine Heimat und seine Familie vielleicht nie wieder sehen würde.
Magister Liam hatte ihn heute früh, direkt als er seinen Dienst antreten wollte, zu sich ins Zimmer gebeten. Er hatte davon erfahren, dass sich Calis als Lehrling der Akademie ausgegeben hatte und wollte ihn zur Rede stellen. Doch ihr Gespräch wurde von einer wichtigen Angelegenheit unterbrochen, weswegen der Magister kurzzeitig den Raum verlassen musste. Seine mögliche Strafe und die Demütigung gegenüber seiner Familie und Freunden vor Augen traf Calis, ohne groß darüber nachzudenken, einen Entschluss. Magister Liam war gerade dabei, die Unterlagen für die Absolventen des ersten Lehrjahres vorzubereiten: ein eigenes Zauberbuch mit Sprüchen, in denen sich die Schüler besonders hervorgetan hatten, und einen Ring, welcher sie als Mitglieder der Magier von Islien auszeichneten. Kurz entschlossen schnappte sich Calis einen der Ringe und eines der Zauberbücher, ein wenig Gold, welches er in einer der Schubladen fand, und einen der Tränke aus dem Regal des Magisters. Dann verließ er so schnell wie möglich den Palast. Sei Ziel die Länder der Menschen, irgendwohin, wo niemand ihn oder das, was er getan hatte, kannte.
Die Flammen des Feuers züngelten am Holz des Feuers und ihr Schein spiegelte sich am Ring mit dem Zeichen der Magier Isiliens. Calis dreht den Siegelring in die eine und in die andere Richtung. Er fasste einen zweiten Entschluss und flüsterte einen Namen in den Wind: „Ivellios Goldregen.“
Bildquellen
- Irsilien-im-Eis: http://benandrewsart.com